Das Problem mit der Migration

Ich will ehrlich sein, auch wenn es schmerzt: manchmal weiss ich ganz genau, was die SVP meint. Die oft angesprochene Überfremdung – inzwischen spüre ich sie auch. Von überall kommen sie her – Aargau, St. Gallen, Thurgau, aus der Innerschweiz. Sie kommen hier her, besetzen die Wohnungen am Idaplatz und an der Langstrasse, sprechen ihre seltsamen Dialekte, bringen ihre fremden Religionen mit (seriously, Katholizismus? Wir sind eine Reformationsstadt!) und ihre komischen Bräuche (wer zur Hölle spricht wildfremde Menschen an der Tramstation grundlos an?). Einige von ihnen feiern Fasnacht. FASNACHT.

Ein Aspekt, den ich besonders zu schätzen weiss, wurde in einem Watson-Artikel ausführlich behandelt. Da kommt einer aus Chuebumswil, Geissfickikon, oder aus Häusliche Gewalt am Rhein, und meint dann, die Autorität zu haben, einer geborenen Stadtzürcherin sagen zu wollen, was Zürich ist und was nicht. Ich wohne – wie vielleicht aus dem Namen des Blogs hervorgeht – in Oerlikon. Ich liebe Oerlikon, und Oerlikon ist zum Glück (noch) nicht hip. Zwischen uns und der Innenstadt ist sogar ein Hügel. Ein Hügel! Der Zuzüger aus Hinterghettowil lässt sich nun ausschliesslich in den Postleitzahlen 8003 bis 8006 nieder. 8008, wenn er gewillt ist, am Stadtrand zu wohnen – aber natürlich am sozial akzeptablen Stadtrand, weil See und so. Voll Lebensqualität.

Wir von hier, wir wohnen in den 8050ern, in 8048, in 8041. Oft auch, weil wir dort aufgewachsen sind. Persönlich stamme ich ja aus dem unhippen Teil von Wiedikon, dem Sihlfeld, 8055. Völlig ab vom Schuss, tscheggsch? Und wir von hier, wir anerkennen auch die Schattenseiten unserer Stadt. Ja, Hirzenbach ist städtebaulich höchst fragwürdig. Mistakes were made. Wir versuchen in Zukunft, keine Autobahnen durch Wohnquartiere zu ziehen. Aber so unschön Schwamendingen stellenweise sein mag, es ist Zürich. Wisst ihr, was nicht Zürich ist? Wallisellen. Hinterghettowil. Motherfucking Rorschach.

Es ist auf lange Sicht sicher in unser aller Interesse, wenn die ImmigrantInnen aus den anderen deutschschweizer Kantonen sich so schnell wie möglich integrieren. Daher habe ich ein paar kurze und einfache Regeln zusammengefasst, die die Kommunikation und das Zusammenleben mit StadtzürcherInnen enorm erleichtern können.

  1. Die Kreise 9 bis 12 gehören zur Stadt Zürich. Darüber diskutieren wir nicht, vor allem nicht mit Leuten aus Chuebumswil. Erwarte keine Sympathien, wenn du bei der Wohnungssuche darauf bestehst, dass es was in den Kreisen 3, 4 oder 5 sein muss.
  2. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind heilig. Sie sind auch um Klassen besser als alles, was du aus dem Ort kennst, in dem du aufgewachsen bist. Sämtliche Kritik von Seiten der Landbevölkerung wird bestenfalls belächelt. Übrigens: Wenn man im Tram direkt bei der Tür stehen bleibt, macht man das, weil man unmittelbar an der nächsten Station wieder aussteigt. Nicht an der Übernächsten, nicht in fünf Minuten. An der Nächsten. Klar?
  3. Die Innenstadt ist nicht zum Schlendern da. Spazieren geht man auf dem Land, wo ihr herkommt. In der Innenstadt haben wir shit to get done, places to be. Also aus dem Weg.
  4. Wir sprechen nicht mit Fremden.
  5. Nur Landeier bleiben oben an der Rolltreppe stehen, um sich zu orientieren.
  6. Ja, hier ist alles teurer als in Geissfickikon. Vielen Dank für dieses Update, Captain Obvious. Die Chancen sind gross, dass StadtzürcherInnen das schon gerissen haben, unter anderem, weil wir ja auch schon im Ausland waren. Also Ruhe auf den überteuerten Plätzen.
  7. Wir feiern keine Fasnacht.

Aber genug der Belehrungen! Wie die meisten Flüchtlinge seid ja auch ihr nur hier, weil ihr ein besseres Leben sucht. Wir verstehen das. Ich bin jeden Tag dem Schicksal dankbar, dass ich hier zur Welt gekommen bin. Wir empfangen euch mit offenen Armen. Aber eben… Benehmt euch.

Credits: Die kreativen Namen für Orte auf dem Land stammen von meiner Schwester, der coolsten Person auf Erden.

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