Die Abstimmung vom 23. September 2018

Also eigentlich wollte ich ja etwas ganz anderes schreiben, aber dann habe ich meine Abstimmungsunterlagen bekommen, et voilà, dann muss ich da wohl oder übel darauf eingehen. Und das, obwohl es noch gar nicht um die unsägliche Selbstbestimmungsinitiative der SVP geht, die kommt nämlich erst im November. Oh boy. Das wird dann auch wieder so ein ellenlanger Text.

Aber zur Aktualität. Bisher sind 63 Worte geschrieben, und ich bin guter Dinge, dass ich mich kurz fassen kann, da völlig offensichtlich ist, was die Logik gebietet. Zumindest ist das jeweils meine Wahrnehmung, aber vergangene Abstimmungsresultate haben mich mehrfach eines Besseren belehrt. An die Arbeit.

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Wer verschwendet hier unsere Steuergelder?

Wie die alte Fasnacht komme ich jetzt auch noch mit meiner Meinung zu den Abstimmungen von diesem Wochenende. Natürlich habt Ihr alle schon abgestimmt. Brieflich war ja auch bis gestern. Ich bin hinedri. Ich muss das hier aber trotzdem noch loswerden, denn: wozu habe ich eigentlich ein Parlament gewählt?

Wir Linken dürfen uns von bürgerlicher Seite ja oft anhören, dass wir die kostbaren Steuergelder unserer Bürgerinnen und Bürger verschwenden. So mit Kultur und anderem, ähnlich unnötigem Seich. So von wegen Schulhäuser sanieren! Wenn’s für den Uropa gut genug war, dann geht es ja wohl auch für die unerzogenen Bälger heute? Sind doch nicht der Pestalozzi oder was?

(Warum sind wir eigentlich nicht der Pestalozzi? Ich meine, was Nationalhelden betrifft, hat Herr Pestalozzi schon weit mehr geleistet als Bogenschütze Tell. Vor allem, weil Letzterer ja gegebenenfalls fiktiv ist. Pestalozzi auf den Fünfliber!)

Jetzt habe ich aber kürzlich das Abstimmungs-Couvert bekommen und es ist verdammt noch mal einen halben Zentimeter dick. Ein halber Zentimeter. Was soll das? Ich weiss genau, was da drin ist. Immer, wenn das Couvert die Ausmasse eines kleinen Kontinents annimmt, weiss ich, was geschlagen hat:

Da missbraucht jemand auf eklatante und unverfrorene Weise unser Referendumsrecht.

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Gebrauchsanweisung für die Stadt: How to HB

Meine Gebrauchsanweisungen für die Stadt fangen immer ein bisschen mit derselben Ermahnung an, die, zusammengefasst, als etwas in Richtung „steh nicht im Weg rum“ beschrieben werden kann. Das ist in der Stadt relevant, weil in der Stadt – im Vergleich zum Dorf – viele Menschen sind. Am Hauptbahnhof ist alles noch schlimmer, weil die ganz vielen Leute, die dort sind, sich im Transit nach woanders befinden, und es oft etwas pressant haben. Erst der Hauptbahnhof bringt das wahre, das innerste Wesen eines Menschen hervor; er verlangt uns die bestmögliche Form von uns selbst ab, und die meisten von euch versagen kläglich. Ja, von euch. Ich weiss schliesslich, wie man sich am HB verhält.

Innenansicht Haupthalle Zürich Hauptbahnhof

Die Haupthalle unter normalen Umständen

Steh nicht im Weg rum.

Seien wir ehrlich, es kommt einem in jeder erdenklichen Lebenssituation zu Gute, wenn man sich einigermassen klar ist, wann man wieviel Platz einnimmt. Ich besitze beispielsweise mehrere Rucksäcke, die mein ohnehin beeindruckendes Gesamtvolumen mehr oder weniger drastisch vergrössern. Unter gewissen Umständen – im vollen Tram – ist es also angebracht, den Rucksack abzunehmen und zwischen den Beinen auf den Boden zu stellen. Während man unterwegs ist, ist dies natürlich wenig praktisch. Dort ist es lediglich angezeigt, sich bewusst zu bewegen. So verhindert man gegebenenfalls, durch so unerwartete wie elegante Richtungswechsel ganze Gruppen von ca. gleichgrossen und kleineren Menschen nieder zu mähen.

Einen Stock tiefer sollte man die gleiche Umsicht dem mitgebrachten Rollköfferchen zukommen lassen. Mit so einem im Anhang wird man bekanntermassen zum Sattelzug, weshalb man bei der Planung des Pfads die entsprechende Mehrlänge berücksichtigen muss. Das sind so ein bisschen die Basics.

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Statusmitteilung

Zürich: Eine Liebeserklärung

Auf meinem Facebook-Feed hat jemand gefragt: „Wenn die Stadt, in der du lebst, ein Mensch wäre, würdest du dann mit ihm schlafen?“ Während die Leute, die mich kennen, sich die Antwort schon denken können, möchte ich ein bisschen ausführen. Vor allem, weil Andere diese, meine Stadt, schon kommentiert haben. Es war das Übliche. Die Person, die den Post verfasst hat, hat Folgendes geschrieben:

„Ich glaube, Zürich wär dieser leicht arrogante, steinreiche Typ, dessen Gesicht du dir nicht so richtig merken kannst. Im Flirten ist er schlecht, stattdessen setzt er drauf, dich zu beeindrucken – aber wenn du dich trotzig-liebevoll auf ihn einlässt, merkst du, dass er gar kein so schlechter Küsser ist. Sein Zuhause ist klinisch sauber, der Bettanzug aus Samt. Bist du leidenschaftlich, zieht er mit.
Nach dem Höhepunkt bleibt er wach, weil Koks.
Am Morgen verlangt er die 18 Franken zurück, die er für deinen Drink am Vorabend ausgegeben hat.“

Needless to say, ich sehe das ein bisschen anders.

enlight124

Oerlikonerstrasse

Meine Stadt hat es weit gebracht, aber sie hat nicht vergessen, dass sie aus einfachen Verhältnissen stammt. Auswärtige und Zuzüger/innen starren auf ihr Limmatquai, zwinkern sich zu, wenn sie ihre Langstrasse entdecken, belächeln ihre Clubszene. Sie rümpfen die Nase über ihren Paradeplatz und sehen nicht, was ihre PUK jeden Tag durchlebt. Sie ignorieren was sie durchgemacht hat mit ihrem Letten und ihrem Platzspitz. Sie erinnern sich nicht, dass das Industriequartier dereinst voller Industrie war. Wegen ihrer Schönheit bezichtigen sie sie der Arroganz. Sie machen sich über ihre Hirslandenklinik und  ihre gesammelten Schönheitsoperationen lustig. Doch sie macht sich nicht wichtiger, als sie ist; sie sucht keinen Vergleich mit internationalen Grössen wie New York oder Paris. Sie kennt ihren eigenen Wert und vor allem auch ihre eigenen Werte. Sie weiss aber auch, dass sie der grösste Fisch in diesem Teich ist, und sie versteht ihre Verantwortung.

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Observationen aus dem benachbarten Ausland: Dorfgespräch

Es war ein etwas schleichender Prozess, ich habe es nicht gleich bemerkt. Viel davon habe ich auf meine Anwesenheit zurückgeführt, die natürlich zu solchen Gesprächen Anlass geben kann. Doch dann habe ich zufällig Konversationen gehört, die nichts mit mir zu tun hatten, die von Menschen geführt wurden, die mich noch gar nicht gesehen hatten, und ich begriff: Die reden über uns da draussen.

Die, das ist die Landbevölkerung. Wir, das sind die Zürcherinnen und Zürcher, und das Reden, das kann ganz verschiedene Formen annehmen, unter denen zwei aber besonders häufig observiert werden können: der Direktvergleich und der Diss. Oft auch aufeinander folgend oder direkt kombiniert. Bei dem Gespräch, dass ich da gehört hatte, ging das so:

A: „… und als er am Bahnhof (Rapperswil) ankam, schüttete es wie aus Eimern. Natürlich hatte er keinen Schirm dabei. Auf halbem Weg ist er aber dieser alten Frau begegnet, und die hat ihn dann mit dem Schirm bis vor die Tür begleitet!“

D: „Wow, das ist ja voll nett von ihr!“ Pause. Dann, „In Zürich wäre das nie passiert. Dort sind auch die Alten total unfreundlich.“

Aha. Unsere Alten sind total unfreundlich. Ich hoffe, ihr wisst das, betagte Zürcherinnen und Zürcher. Unfreundlich und arrogant ist sowieso das Hauptthema, aber, seien wir ehrlich, das sind wir uns ja gewohnt. Auch mir war bewusst, dass wir im benachbarten Ausland so wahrgenommen werden, was ich nicht wusste, ist, wie oft Zürich diskutiert wird. Ein Freund von mir, der ursprünglich aus Baselland stammt, erwähnt auch hin und wieder, wie bei Familienfesten über Zürich gelästert wird. Gut, im Baselbiet gehört das vermutlich zum guten Ton. Aber auch eine Freundin aus Bern hat schon erzählt, wie man sich dort ganz nonchalant über Zürich auslässt, und warum man niemals dort würde leben wollen. Einerseits trifft mich das tief, da meine Familie aus dem Kanton Bern stammt und berndeutsch meine Muttersprache ist. Andererseits… zwingen wir niemanden, umzuziehen. Es ist nicht so, als hätten wir zuwenig EinwohnerInnen.

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Gebrauchsanweisung für die Stadt: How to Velo

Zürich, heisst es von Seiten der VelofahrerInnen, sei keine Velostadt. Unser Netz sei unvollständig, unausgereift, etc. Wir liegen weit hinter Städten wie Amsterdam und Kopenhagen zurück, beide wahre Mekkas für VelofahrerInnen. Bei uns ist es ja richtig gefährlich, sagen sie. Da muss ich ja dann immer ein bisschen lachen, weil gefährlich ist im Kontext der Schweiz immer etwas… äh, hoch gegriffen. Nichts bei uns ist, im internationalen Vergleich, gefährlich. Aber ja, auf der Strasse mit den Autofahrern koexistieren zu müssen birgt Risiken. Risiken, die die VelofahrerInnen selbst aber auch nicht zwingend zu minimieren gewillt sind. Und gegenüber FussgängerInnen haben sie ja jetzt auch nicht gerade ein Übermass an Respekt und Konsideration.

In der Tat hat die Stadt Zürich innerhalb ihres Verkehrskonzepts viel vor mit den Velos: durch den 2015 angenommenen Gegenvorschlag zur Initiative von Pro Velo steht ein Rahmenkredit von 120 Mio. CHF zur Verfügung, um die Stadt sicherer und befahrbarer zu machen. In diesem Zusammenhang darf aber von den VelofahrerInnen der Stadt auch ein bisschen Kooperation erwartet werden.

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Gebrauchsanweisung für die Stadt: How to Sommer

Wie ich oft an dieser Stelle wiederholt habe, leben in der Stadt viele Menschen auf engem Raum. Da sind also viele bewegliche Teilchen. Wenn diese nun erhitzt werden, dann werden sie unruhiger. Und wenn viele Teilchen unruhig sind, kommt es zu Reibung. Und das, meine Damen und Herren, will bei dieser Hitze wirklich niemand.

Blühende Sträucher im MFO-Park.

Der MFO-Park in Oerlikon blüht.

Es ist kein Geheimnis, dass ich ein Sommerkind bin. Ich blühe auf, wenn die Temperaturen auf über 30°C klettern. Es gibt nichts Schöneres. Natürlich bin ich auch dem Kältetod nahe, wenn das Thermometer unvermittelt auf unter 20°C fällt. Neulich nachts hätte ich den Heimweg um Haaresbreite nicht überlebt. Das ist also mein Wetter. Summertime, and the living is easy. Ich habe Playlists für diese Jahreszeit. Die Stadt ist nie so schön wie im Sommer, wenn die Limmat im Sonnenlicht in allen Nuancen von grün und blau funkelt. Aber auch ich kann nicht von der Hand weisen, dass mit den Temperaturen auch die Anforderungen an unsere Selbstverantwortung als gute Städterinnen und Städter steigen. Im Interesse aller schlage ich deshalb vor, wir bewahren einen kühlen Kopf (haha) und halten uns an folgende kleine Instruktion.

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