Observationen aus dem benachbarten Ausland: Culinaria

Ein der wichtigsten Fragen, die man bei Antritt einer neue Stelle klären muss, ist, wo das Essen herkommen soll. Ja, klar, ich koche gern und oft, aber halt nicht immer. Und dann muss externes Essen her. Rapperswil ist dahingehend, sagen wir, eher konservativ. Gegenüber dem Büro stehen eine sympathische und eine weniger sympathische Beiz, die Migros ist nicht weit, und einen Pizzalieferdienst gibt es auch.

Ein Highlight ist die Dame mit dem Thai-Restaurant schräg über die Kreuzung: ihre Gerichte sind hervorragend, auch wenn die Preise Stadtzürcher Flair haben, und ihr Service gibt immer tagelang zu reden im Büro. Es ist bemerkenswert, wie lange es dauert, dort zu der angestrebten Portion roten Thai-Currys mit Ente zu kommen. Minuten werden zu Stunden, Tage vergehen, die Jahreszeiten wechseln sich ab, und man hofft einfach, noch vor der Pensionierung dran zu kommen. Die Schlange vor dem Lokal macht einem natürlich klar, welch grosser Beliebtheit sich dieses erfreut. Aber wenn Madame auch nur den Hauch von Effizienz besässe – wir könnten binnen Minuten drin und wieder draussen sein. Es ist ein Spektakel, das sich jeder Beschreibung entzieht. Geradezu traumtänzerisch wirkt ihre Herangehensweise, gänzlich unverständlich für den Geist im Wachzustand. Vermutlich ist da etwas Transzendentales, das sich meiner gestressten Stadtseele noch nicht offenbart hat.

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Der grosse Kanton und wir: Obrigkeit oblige.

Es ist schon sehr, sehr, seeeeehr lange her, dass Anja das letzte Mal hier war, um mich zu besuchen. Also, eigentlich besucht sie ja meine Katzen, aber ich lebe nun mal auch in dieser Wohnung. Dieser Besuch, der schon Äonen zurückliegt, beinhaltete ein unangenehmes Ereignis und eine dieser Offenbarungen, die manchmal ganz nebenher passieren: ein Anschauungsbeispiel der kleinen Differenzen zwischen der deutschsprachigen Schweiz und Deutschland.

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Das Problem mit der Migration

Ich will ehrlich sein, auch wenn es schmerzt: manchmal weiss ich ganz genau, was die SVP meint. Die oft angesprochene Überfremdung – inzwischen spüre ich sie auch. Von überall kommen sie her – Aargau, St. Gallen, Thurgau, aus der Innerschweiz. Sie kommen hier her, besetzen die Wohnungen am Idaplatz und an der Langstrasse, sprechen ihre seltsamen Dialekte, bringen ihre fremden Religionen mit (seriously, Katholizismus? Wir sind eine Reformationsstadt!) und ihre komischen Bräuche (wer zur Hölle spricht wildfremde Menschen an der Tramstation grundlos an?). Einige von ihnen feiern Fasnacht. FASNACHT.

Ein Aspekt, den ich besonders zu schätzen weiss, wurde in einem Watson-Artikel ausführlich behandelt. Da kommt einer aus Chuebumswil, Geissfickikon, oder aus Häusliche Gewalt am Rhein, und meint dann, die Autorität zu haben, einer geborenen Stadtzürcherin sagen zu wollen, was Zürich ist und was nicht. Ich wohne – wie vielleicht aus dem Namen des Blogs hervorgeht – in Oerlikon. Ich liebe Oerlikon, und Oerlikon ist zum Glück (noch) nicht hip. Zwischen uns und der Innenstadt ist sogar ein Hügel. Ein Hügel! Der Zuzüger aus Hinterghettowil lässt sich nun ausschliesslich in den Postleitzahlen 8003 bis 8006 nieder. 8008, wenn er gewillt ist, am Stadtrand zu wohnen – aber natürlich am sozial akzeptablen Stadtrand, weil See und so. Voll Lebensqualität.

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Observationen aus dem benachbarten Ausland: Die Sache mit den ÖV

Eigentlich hatte ich es schon vermutet. Manchmal, an Abstimmungssonntagen zwischen zwei Tobsuchtsanfällen, oder beim Gespräch mit der Landbevölkerung über völlig unverfängliche Themen wie obligatorischen Vaterschaftsurlaub oder die Rechte von Transmenschen, machte sich in mir dieses leise Unbehagen breit, diese Ahnung: die Stadt Zürich ist nicht die Schweiz, und die Schweiz ist nicht die Stadt Zürich. Dinge, die in der Stadt Zürich (im Folgenden “Zürich” genannt, weil wenn man aus Bülach kommt, gehört es sich nicht, zu sagen, man sei von Zürich) völlig selbstverständlich sind, sind auf dem Land bisweilen alles andere als unbestritten.

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