Aber woher kommst du wirklich? 

Ich wurde in der Maternité des Stadtspitals Triemli geboren und bin in einem Haus aufgewachsen, dass sich 450m (Luftlinie) davon entfernt befindet. Mein Kindergarten war vom Küchenfenster aus sichtbar, ebenso meine Sekundarschule (also, vom Balkon aus). Mein Primarschulhaus stand – 370m von meinen Wohnhaus entfernt – direkt hinter der Kirche, in der ich getauft worden war. Mit 14 Jahren bin ich ins Gymnasium gekommen, und musste erstmals mit den ÖV zur Schule, in den angrenzenden Kreis 2. Erst mit 28 bin ich von Wiedikon ans andere Ende der Stadt gezogen, nach Oerlikon. Wenn ich also gefragt werde, woher ich „wirklich“ komme, dann denke ich

Wiedike, Motherfucker, do you know it?

„Say ‚where‘ one more fucking time.“

Aber ich sage: „Us Wiedike. Werum?“

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Observationen aus dem benachbarten Ausland: Dorfgespräch

Es war ein etwas schleichender Prozess, ich habe es nicht gleich bemerkt. Viel davon habe ich auf meine Anwesenheit zurückgeführt, die natürlich zu solchen Gesprächen Anlass geben kann. Doch dann habe ich zufällig Konversationen gehört, die nichts mit mir zu tun hatten, die von Menschen geführt wurden, die mich noch gar nicht gesehen hatten, und ich begriff: Die reden über uns da draussen.

Die, das ist die Landbevölkerung. Wir, das sind die Zürcherinnen und Zürcher, und das Reden, das kann ganz verschiedene Formen annehmen, unter denen zwei aber besonders häufig observiert werden können: der Direktvergleich und der Diss. Oft auch aufeinander folgend oder direkt kombiniert. Bei dem Gespräch, dass ich da gehört hatte, ging das so:

A: „… und als er am Bahnhof (Rapperswil) ankam, schüttete es wie aus Eimern. Natürlich hatte er keinen Schirm dabei. Auf halbem Weg ist er aber dieser alten Frau begegnet, und die hat ihn dann mit dem Schirm bis vor die Tür begleitet!“

D: „Wow, das ist ja voll nett von ihr!“ Pause. Dann, „In Zürich wäre das nie passiert. Dort sind auch die Alten total unfreundlich.“

Aha. Unsere Alten sind total unfreundlich. Ich hoffe, ihr wisst das, betagte Zürcherinnen und Zürcher. Unfreundlich und arrogant ist sowieso das Hauptthema, aber, seien wir ehrlich, das sind wir uns ja gewohnt. Auch mir war bewusst, dass wir im benachbarten Ausland so wahrgenommen werden, was ich nicht wusste, ist, wie oft Zürich diskutiert wird. Ein Freund von mir, der ursprünglich aus Baselland stammt, erwähnt auch hin und wieder, wie bei Familienfesten über Zürich gelästert wird. Gut, im Baselbiet gehört das vermutlich zum guten Ton. Aber auch eine Freundin aus Bern hat schon erzählt, wie man sich dort ganz nonchalant über Zürich auslässt, und warum man niemals dort würde leben wollen. Einerseits trifft mich das tief, da meine Familie aus dem Kanton Bern stammt und berndeutsch meine Muttersprache ist. Andererseits… zwingen wir niemanden, umzuziehen. Es ist nicht so, als hätten wir zuwenig EinwohnerInnen.

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Gebrauchsanweisung für die Stadt: How to ÖV

Da es scheinbar Menschen gibt, die die Kinderstube nur von aussen gesehen haben, fühle ich mich gezwungen, eine Serie von Anleitungen zu verfassen, wie man sich in einer Stadt benimmt. Ich werfe ja niemandem vor, dass er/sie auf dem Land aufgewachsen ist, wo man das mit den Manieren etwas ungezwungener sieht – vor allem, weil man ja nie auf mehr als acht Menschen auf einmal trifft. Ich verstehe es: man hat Platz zum versauen, und damit einen die Mitmenschen überhaupt hören, braucht man die Stimmgewalt eines Pavarotti. Man kennt alle. Mit der Hälfte ist man verwandt und verschwägert. Alles ist vertraut und locker.

Willkommen in der Stadt. Hier läuft das anders.

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Die Abstimmung vom 12. Februar

Eigentlich wollte ich einen anderen Post schreiben zu diesem Anlass, einen, den ich schon länger in Vorbereitung habe. Es ist ein Post über meine Unwirsch gegenüber der gottverdammten, hinterwäldlerischen, ewiggestrigen, anti-intellektuellen Landbevölkerung. Diese Dorfdeppen. Diese gesellschaftspolitischen Analphabeten. Diese… Aber eben. Wie man sieht, brauche ich schon vier Zeilen, um mich darüber zu echauffieren, was ich nicht schreiben werde. Der andere Post wäre absolut aus dem Ruder gelaufen, weil mir die Landbevölkerung  im Moment nichts recht machen kann. Nicht, dass sie es versuchten. Wie gesagt, das ist ein Thema für ein anderes Gezeter.

Wir stimmen nächstes Wochenende ab. Es sind zwei sehr wichtige Themen dabei, und darüber wollen wir kurz reden. Eines vorweg: ich weiss, dass ich hier grösstenteils offene Türen einrenne, schliesslich kenn ich nur sehr wenige reaktionäre Kackfressen (Grüsse an S. aus M.!). Aber selbst gut sein ist nicht gut genug. Redet mit eurem Umfeld, die Leute müssen abstimmen gehen, und zwar in die richtige Richtung. Also so:

Ja zur Erleichterten Einbürgerung der dritten Generation

Jetzt mal ganz, ganz ehrlich: wie viele Leute habt ihr denn in letzter Zeit in Burka gesehen? Und wie viele davon waren Italienerinnen? Geht es euch so wie mir, dass ihr in einer Grossstadt lebt, und VERDAMMT NOCH MAL SEIT MONATEN KEINE BURKA MEHR GESEHEN HABT? Wisst ihr, wo es noch weniger Burkas hat als in Zürich und Genève? Im verfickten Oberwil-Lieli, diesem rassistischen Dreckskaff. Die paar AusländerInnen, die dort wohnen, tun das vermutlich gegen ihren Willen, weil wer lebt schon freiwillig a) unter Nazis und b) im Aargau? Versteht mich nicht falsch, ich kenne einige Leute aus dem Aargau. Ihr wisst schon, einige meiner besten FreundInnen sind AargauerInnen, höhö. Die sind alle in die Zivilisation geflüchtet und leben jetzt in Grossstädten.

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Das Problem mit der Migration

Ich will ehrlich sein, auch wenn es schmerzt: manchmal weiss ich ganz genau, was die SVP meint. Die oft angesprochene Überfremdung – inzwischen spüre ich sie auch. Von überall kommen sie her – Aargau, St. Gallen, Thurgau, aus der Innerschweiz. Sie kommen hier her, besetzen die Wohnungen am Idaplatz und an der Langstrasse, sprechen ihre seltsamen Dialekte, bringen ihre fremden Religionen mit (seriously, Katholizismus? Wir sind eine Reformationsstadt!) und ihre komischen Bräuche (wer zur Hölle spricht wildfremde Menschen an der Tramstation grundlos an?). Einige von ihnen feiern Fasnacht. FASNACHT.

Ein Aspekt, den ich besonders zu schätzen weiss, wurde in einem Watson-Artikel ausführlich behandelt. Da kommt einer aus Chuebumswil, Geissfickikon, oder aus Häusliche Gewalt am Rhein, und meint dann, die Autorität zu haben, einer geborenen Stadtzürcherin sagen zu wollen, was Zürich ist und was nicht. Ich wohne – wie vielleicht aus dem Namen des Blogs hervorgeht – in Oerlikon. Ich liebe Oerlikon, und Oerlikon ist zum Glück (noch) nicht hip. Zwischen uns und der Innenstadt ist sogar ein Hügel. Ein Hügel! Der Zuzüger aus Hinterghettowil lässt sich nun ausschliesslich in den Postleitzahlen 8003 bis 8006 nieder. 8008, wenn er gewillt ist, am Stadtrand zu wohnen – aber natürlich am sozial akzeptablen Stadtrand, weil See und so. Voll Lebensqualität.

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