Wer verschwendet hier unsere Steuergelder?

Wie die alte Fasnacht komme ich jetzt auch noch mit meiner Meinung zu den Abstimmungen von diesem Wochenende. Natürlich habt Ihr alle schon abgestimmt. Brieflich war ja auch bis gestern. Ich bin hinedri. Ich muss das hier aber trotzdem noch loswerden, denn: wozu habe ich eigentlich ein Parlament gewählt?

Wir Linken dürfen uns von bürgerlicher Seite ja oft anhören, dass wir die kostbaren Steuergelder unserer Bürgerinnen und Bürger verschwenden. So mit Kultur und anderem, ähnlich unnötigem Seich. So von wegen Schulhäuser sanieren! Wenn’s für den Uropa gut genug war, dann geht es ja wohl auch für die unerzogenen Bälger heute? Sind doch nicht der Pestalozzi oder was?

(Warum sind wir eigentlich nicht der Pestalozzi? Ich meine, was Nationalhelden betrifft, hat Herr Pestalozzi schon weit mehr geleistet als Bogenschütze Tell. Vor allem, weil Letzterer ja gegebenenfalls fiktiv ist. Pestalozzi auf den Fünfliber!)

Jetzt habe ich aber kürzlich das Abstimmungs-Couvert bekommen und es ist verdammt noch mal einen halben Zentimeter dick. Ein halber Zentimeter. Was soll das? Ich weiss genau, was da drin ist. Immer, wenn das Couvert die Ausmasse eines kleinen Kontinents annimmt, weiss ich, was geschlagen hat:

Da missbraucht jemand auf eklatante und unverfrorene Weise unser Referendumsrecht.

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Statusmitteilung

Zürich: Eine Liebeserklärung

Auf meinem Facebook-Feed hat jemand gefragt: „Wenn die Stadt, in der du lebst, ein Mensch wäre, würdest du dann mit ihm schlafen?“ Während die Leute, die mich kennen, sich die Antwort schon denken können, möchte ich ein bisschen ausführen. Vor allem, weil Andere diese, meine Stadt, schon kommentiert haben. Es war das Übliche. Die Person, die den Post verfasst hat, hat Folgendes geschrieben:

„Ich glaube, Zürich wär dieser leicht arrogante, steinreiche Typ, dessen Gesicht du dir nicht so richtig merken kannst. Im Flirten ist er schlecht, stattdessen setzt er drauf, dich zu beeindrucken – aber wenn du dich trotzig-liebevoll auf ihn einlässt, merkst du, dass er gar kein so schlechter Küsser ist. Sein Zuhause ist klinisch sauber, der Bettanzug aus Samt. Bist du leidenschaftlich, zieht er mit.
Nach dem Höhepunkt bleibt er wach, weil Koks.
Am Morgen verlangt er die 18 Franken zurück, die er für deinen Drink am Vorabend ausgegeben hat.“

Needless to say, ich sehe das ein bisschen anders.

enlight124

Oerlikonerstrasse

Meine Stadt hat es weit gebracht, aber sie hat nicht vergessen, dass sie aus einfachen Verhältnissen stammt. Auswärtige und Zuzüger/innen starren auf ihr Limmatquai, zwinkern sich zu, wenn sie ihre Langstrasse entdecken, belächeln ihre Clubszene. Sie rümpfen die Nase über ihren Paradeplatz und sehen nicht, was ihre PUK jeden Tag durchlebt. Sie ignorieren was sie durchgemacht hat mit ihrem Letten und ihrem Platzspitz. Sie erinnern sich nicht, dass das Industriequartier dereinst voller Industrie war. Wegen ihrer Schönheit bezichtigen sie sie der Arroganz. Sie machen sich über ihre Hirslandenklinik und  ihre gesammelten Schönheitsoperationen lustig. Doch sie macht sich nicht wichtiger, als sie ist; sie sucht keinen Vergleich mit internationalen Grössen wie New York oder Paris. Sie kennt ihren eigenen Wert und vor allem auch ihre eigenen Werte. Sie weiss aber auch, dass sie der grösste Fisch in diesem Teich ist, und sie versteht ihre Verantwortung.

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Gebrauchsanweisung für die Stadt: How to Fenster

Die Handhabung von Fenstern scheint einige meiner Mitmenschen an ihre Grenzen zu führen. Es ist natürlich schon so: wenn man aus ländlicher Gegend in die Stadt zieht – wo es auch noch andere Menschen gibt – kennt man die verschiedenen Stolperfallen, die Fenster mit sich bringen, noch nicht.

Die meisten Fenster sind ja bekanntlich einigermassen durchsichtig. Das ist mit eins der besten Argumente für Glas. Persönliche Putzgewohnheiten haben natürlich einen direkten Einfluss auf die Transparenz, aber ich wage mich jetzt mal auf das schmale Brett und behaupte, doch, da sieht man meistens ganz gut durch. Und schon wären wir wieder bei so einer Stadt-Situation: unsere Häuser stehen dicht beieinander. Sogar, wenn eine durchschnittliche Strasse mitten durch geht, beträgt der Abstand zwischen zwei Häuserfronten bestenfalls zwanzig Meter. Und zwanzig Meter weit sehen die meisten Menschen ganz easy.

Die lamentable Abwesenheit von Vorhängen

Weshalb ich diese neumodische Tendenz, auf Vorhänge zu verzichten nicht verstehe. Ist ja alles ganz dandy, wenn du findest, du habest nichts zu verbergen, und dass du so ein Freigeist bist, dass es dir schnurzpiepegal ist, wenn ich dich nackt in der Wohnung rumlaufen sehe. Hör mal, Freundchen: Ich wohne doch nicht in der kalten, anonymen Grossstadt, um mich jetzt hier von dir anmenscheln zu lassen!

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Gebrauchsanweisung für die Stadt: How to Sommer

Wie ich oft an dieser Stelle wiederholt habe, leben in der Stadt viele Menschen auf engem Raum. Da sind also viele bewegliche Teilchen. Wenn diese nun erhitzt werden, dann werden sie unruhiger. Und wenn viele Teilchen unruhig sind, kommt es zu Reibung. Und das, meine Damen und Herren, will bei dieser Hitze wirklich niemand.

Blühende Sträucher im MFO-Park.

Der MFO-Park in Oerlikon blüht.

Es ist kein Geheimnis, dass ich ein Sommerkind bin. Ich blühe auf, wenn die Temperaturen auf über 30°C klettern. Es gibt nichts Schöneres. Natürlich bin ich auch dem Kältetod nahe, wenn das Thermometer unvermittelt auf unter 20°C fällt. Neulich nachts hätte ich den Heimweg um Haaresbreite nicht überlebt. Das ist also mein Wetter. Summertime, and the living is easy. Ich habe Playlists für diese Jahreszeit. Die Stadt ist nie so schön wie im Sommer, wenn die Limmat im Sonnenlicht in allen Nuancen von grün und blau funkelt. Aber auch ich kann nicht von der Hand weisen, dass mit den Temperaturen auch die Anforderungen an unsere Selbstverantwortung als gute Städterinnen und Städter steigen. Im Interesse aller schlage ich deshalb vor, wir bewahren einen kühlen Kopf (haha) und halten uns an folgende kleine Instruktion.

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