Not All Men

Ich habe einen arabischen Familiennamen. Das führt dazu, dass ich, die ich Protestantin und in der Stadt Zürich aufgewachsen bin, nach jedem von islamischen Extremisten verübten Terroranschlag gefragt werde, wie ich das denn so finde.

For the record: Scheisse. Ich finde religiösen und anderen Terror Scheisse.

Und was habe ich damit zu tun? Genetik. Mein Vater ist Araber, und ich habe in der momentanen weltgeschichtlichen Lage die Arschkarte gezogen. Ich, die ich Schweizerin und Christin bin, muss mich von islamischem Terror distanzieren. Ich stehe, genetisch bedingt, unter Generalverdacht. Daher, und nun kommen wir zum eigentlichen Thema dieses Posts, verstehe ich, warum einem unbehaglich ist, wenn man sich für Leute entschuldigen/rechtfertigen muss, mit denen man nebst genetischen Markern nichts gemeinsam hat. Auch das ist nämlich Scheisse.

Sonntagmorgen, Langstrasse & die Frage, welcher gruslige Taxifahrer am wenigsten wie ein Vergewaltiger aussieht.  #justgirlythings

Der Originalpost, mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

Eine Freundin von mir hat letzten Sonntag früh einen Facebook-Status veröffentlicht darüber, wie unwohl sie sich bei vielen Taxifahrern fühlt, wenn sie nachts auf dem Weg nach Hause ist. Sie hat dort geschrieben, dass sie immer ein bisschen schaut, wer am wenigsten nach Vergewaltiger aussieht. Und kaum hat Frau diese Bedenken geäussert, kriechen sie aus ihren Löchern: die Nicht-Alle-Männer.

Schwestern und Gentlemen, ihr kennt sie. Die Nicht-Alle-Männer sind die Ersten, die sich zu Wort melden, wenn besonders Frauen (sogenannte Betroffene) ihre gelebte Erfahrung mit der systemischen Misogynie unserer Gesellschaft öffentlich machen. Denn ganz egal, wie viele Frauen Opfer von sexuellen Übergriffen aller Art werden, für Nicht-Alle-Männer ist es fundamental, dass auch die Frau, die bewusstlos hinter einer Mülltonne von einem Kommilitonen vergewaltigt wurde, weiss, dass dieser spezifische Sprecher/Schreiber so etwas nie tun würde. Dass ein Mensch in einer Position der absoluten Hilflosigkeit auf widerlichste Weise missbraucht wurde, ist dabei für Nicht-Alle-Männer sekundär. Wichtig ist einzig, dass allen (Frauen) präsent ist, dass sie ganz anders sind.

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Ich bin müde.

Ich weiss, der März ist kein Monat für geistige Erschöpfung, aber manchmal kann man das nicht steuern. Der März ist der Monat des Feminismus. Der achte März ist seit 1921 der Internationale Frauenkampftag, den ich seit 25 Jahren fast lückenlos begehe. Ich erinnere mich an Demonstrationen in den 90er Jahren, wo wir in einer Gruppe von 30 Frauen durch Zürich gezogen und von der Öffentlichkeit belächelt wurden. Ich erinnere mich auch an Umzüge von mehreren tausend Frauen, die sich weigerten, demütig und gehorsam zu sein, und völlig unweiblich Randale machten in der Zürcher Innenstadt.

25 Jahre sind eine lange Zeit, und manchmal habe ich das Gefühl, dass sich nichts geändert hat. Immer noch verdienen wir unerklärliche 8,7% weniger als Männer, und nach wie vor versuchen Männer, uns diesen Unterschied weg zu mansplainen.

Immer noch werden Frauen gefragt, was sie getragen oder wieviel sie getrunken haben, wenn sie Opfer sexueller Gewalt werden. Da sagt sogar eine Polizistin, dass Frauen gegebenenfalls selbst schuld sind, wenn sie vergewaltigt werden.

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New Year’s Revolution

Anne-Sophie hat zu aktuellem Anlass getweetet, dass sie mehr Revolutions statt Resolutions sehen will. Ich fühle mich berufen, beides zu kombinieren:

Ich habe beschlossen, den Bauch nicht mehr einzuziehen.

Wer jetzt spontan nicht versteht, warum das ein geradezu revolutionärer Ansatz ist, dem/der darf man gratulieren: sie oder er ist also normal- oder untergewichtig. Als fette Person wird einem früh nahegelegt, man solle zumindest den Bauch einziehen, so in der Welt draussen. Ist ja wohl das Mindeste, was man tun kann, dort, wo andere Menschen die eigene fettleibige Anwesenheit ertragen müssen. Natürlich nützt es nichts; ich sehe nicht schlanker aus, wenn ich die Luft anhalte, ich sehe dann einfach aus wie eine fette Frau, die sehr flach atmet. Deshalb kann ich es sein lassen. Das ist zumindest der Plan.

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This Fucking Year.

I really meant to close on something positive this year. In spite of everything that happened, I was gonna be hopeful, and upbeat, and, you know, optimistic, and shit. But goddamn you, 2016, you’re not making it easy.

None of us suspected the horrors you were gonna visit upon us when David Bowie died. It was tragic. The world did not know he had cancer, his loss was unexpected and severe. There are not a lot of legends left, and he was one. Personally, his death sent me back into that sense of loss I had when Freddie Mercury died, 25 years ago. They were of a generation, and Freddie was deprived of decades of greatness. Greatness that David Bowie delivered, and now he was gone. Little did I know that 2016 was only just gearing up.

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