Aspiring Polyglot: Methodik, Teil I

Disclaimer: Dieser Post ist vermutlich für Leute, die keine Fans von Sprachen sind, nur mässig interessant.

Vor ein paar Wochen habe ich einige Anfragen zum Thema Sprache auf dem Frageportal Quora beantwortet. Eine der häufigsten Fragen in diesem Bereich ist, „Wie lerne ich Sprache X am effizientesten?“, dicht gefolgt von „Welche Sprache ist am nützlichsten?“ Über Letzteres habe ich auch schon einen englischsprachigen Beitrag geschrieben. Über die Methodik für das Erlernen von Sprachen habe ich mir aber erst so richtig Gedanken gemacht, als ich sie jemand anderem erklären wollte. Meinen eigenen Umgang mit dem Erwerb von Wissen kenne ich schon so lange, dass er zum Automatismus geworden ist, was kurioserweise auch schon der Schlüssel zum Erfolg ist: Mensch, erkenne dich selbst!

1. Kenne deine Motivation

Die nützlichsten Sprachen, die man lernen kann, sind zur Zeit, rein weltpolitisch gesehen, vermutlich Chinesisch, Russisch, und Arabisch. Wenn es aber darum geht, wie man Sprachen am effizientesten lernt, tritt der relative Nutzen meiner Erfahrung nach stark in den Hintergrund. Unsere ungeliebte zweite Landessprache Französisch ist das beste Beispiel dafür. Wir alle, die wir hier aufwachsen, lernen sie. Wenn ich allerdings heutzutage nur schon meine Klassenkameraden befrage, spricht keiner davon anständig Französisch. Wäre es nützlich für sie, wenn sie diese Sprache sprächen? Natürlich. Ich habe Stellen schon bekommen, weil das der entscheidende Vorsprung war, den ich auf meine MitbewerberInnen hatte. Französisch ist nützlich, und trotzdem haben es viele Leute hier schlecht gelernt und nach der Schule sofort wieder vergessen. Die Wertschätzung beruht übrigens völlig auf Gegenseitigkeit: in der französischsprachigen Schweiz ist man vis à vis der deutschen Sprache ähnlich geneigt. Daher haben wir uns nun auch landesweit entschieden, dem Englischen den Vorzug vor der zweiten Landessprache zu geben. Jä nu.

Nützlichkeit war noch nie ein guter Motivator. Was uns motiviert, eine bestimmte Sprache zu lernen, ist immer höchstpersönlich. Man darf nicht vergessen, dass Sprache auch mit Kultur einhergeht. Idealerweise mag man also eine Kultur, in der diese Sprache gesprochen wird. Russland konnte mich nie für Russisch begeistern, aber seit ich in der Ukraine war, habe ich angefangen, es zu lernen.

Wer also eine Sprache lernen will, muss zuerst seine Motivation genau untersuchen. Ist es etwas, das man „sollte“? Das wird nicht hinhauen. Wenn nämlich die Anfangsenergie aufgebraucht ist, und man die ersten Schwierigkeiten antrifft, wirft man gerne das Handtuch, wenn das persönliche Interesse an der Sprache nicht gross genug ist. Ich lerne gerade Japanisch, weil mir Japan zwar nicht in die Wiege, aber zumindest ins Wohnzimmer gelegt wurde. Die Sprache ist faszinierend, die Kultur sehr, sehr weird, das Essen könnte ich jeden Tag konsumieren. Erste Hürden habe ich angetroffen und ich begegne ihnen mit Entschlossenheit. Japanisch ist mein Mount Doom, und es ist egal, wie mühselig der Weg dorthin wird, ich werde ankommen. Willst du die gewählte Sprache mit dieser Hingabe, dieser Verbissenheit lernen? Gut! Das ist der erste Schritt.

2. Kenne deine Lernmethode

Menschen haben ganz verschiedene Präferenzen, wie sie Neues am liebsten und besten aufnehmen. Daher ist es essentiell, den eigenen Lerntyp zu kennen. Davon gibt es vier:

Darstellung der vier Lerntypen: visuell, haptisch, auditiv, kinästhetisch.

Dieser Graphik folgend bin ich ganz klar der visuelle Typ. Wenn ich etwas lernen will, suche ich mir zuerst ein Buch – oder im Fall von Japanisch, deren zwölf – darüber. Ich habe Karteikärtchen in verschiedenen Farben für verschiedene Sprachen. Zusätzlich habe ich eine ganze Serie Apps gefunden, die diese Kärtchen imitieren, oder das Lernen als Spiel präsentieren. Die App, mit der ich Japanisch angefangen habe, heisst Memrise. Ich bin ein grosser Fan von Memrise und sowieso von Elektronik. Allerdings fehlt hier ein wichtiger Aspekt: ich schreibe nicht.

Es ist keine neue Erkenntnis, dass Gelerntes besser haftet, wenn man es von Hand aufschreibt. Dazu gibt es Studien. Da Apps mich aber tippen lassen, und weil zusätzlich die Mechanik der japanischen Handy-Tastatur so gut darin ist, zu erraten, was ich schreiben will, dass ich mir die Kanji theoretisch nicht mal so richtig merken muss, behalte ich wesentlich weniger Information, als wenn ich Dinge schreiben müsste. Deshalb besitze ich auch Bücher aus Papier mit Übungen zum Schreiben. Auch wenn man nicht drei neue Schriftsätze lernen muss, prägt sich Materie einfach besser ein, wenn man sie noch einmal selbst aufschreibt.

Wie funktionierst du? Über welchen Kanal kannst du Information am besten empfangen und verarbeiten? Erinnere dich an deine Lieblingsfächer in der Schule, und wie diese unterrichtet wurden. Vielleicht lernst du am besten mit einem Hörbuch während des Joggens, vielleicht geht’s am einfachsten in einer Gruppe, in der du dich austauschen kannst. Jeder Mensch ist anders.

3. Steck dir klare Ziele

Der Einfachheit halber habe ich mir eine Timeline für die nächsten paar Jahre erstellt, inklusive Meilensteine, die ich bis zu einem bestimmten Punkt erreichen will.

Eine graphische Darstellung meines Sprachen-Plans.

Ziele müssen, das wissen wir aus der Projektplanung, SMART sein:

  • Spezifisch (Specific)
  • Messbar (Measurable)
  • Vereinbart (Agreed upon)
  • Realistisch (Realistic)
  • Zeitlich abgegrenzt (Time based)

Da wir nur mit uns selbst verhandeln müssen, fällt Punkt drei leicht. Nichtsdestotrotz ist es aber wichtig, die Ziele klar auszuformulieren. Spezifisch heisst in meinem Fall, ich lerne bis Ende September die Kanji der 2. Klasse (K), mache bis Ende Dezember das Langenscheidt Buch fertig, dass mich auf Level A1 bringen sollte, und lerne bis Ende Januar 2018 die Kanji der 3. Klasse. Parallel arbeite ich bis Mai 2018 das Russisch-Buch durch, dass mich auch dort auf den Stand A1 bringen sollte, danach kann ich anfangen, die Devanagari Schriftzeichen zu lernen, die für Hindi verwendet werden. Im Dezember 2018 werde ich dann die erste Prüfung für Japanisch absolvieren (N5). Diese Ziele sind sehr einfach messbar: entweder ich kann diese Kanji bis dann oder nicht.

Keinesfalls unterschätzen darf man die Wichtigkeit von „realistisch“. Ich kenne meine eigene Faulheit, meine Arbeits- und Schulbelastung, und meine anderen Hobbies. Ich kann in etwa abschätzen, wie lange ich brauche um so und so weit zu kommen. Wenn man sich zu hohe Ziele steckt, macht man sich nur selbst verrückt.

Die zeitliche Abgrenzung kann sich zum Beispiel durch die Planung einer Reise ergeben. Ich habe vor, 2019 nach Japan zu reisen; es wäre gut, wenn ich mich bis dahin einigermassen vernünftig ausdrücken könnte.

 

Fortsetzung folgt!

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