Observationen aus dem benachbarten Ausland: Da steppt der Bär – einfach nicht sehr lange.

Komm doch nach Sankt Gallen (den Ort) sagten sie. Das wird total lustig, sagten sie. Und das mag durchaus sein. Das Problem ist, wenn ich erst mal dort bin, wie komm ich denn wieder weg?

Ich hatte ja jetzt doch schon ein, zwei, drei späte Nächte in Rapperswil. Das hing entweder mit unserem gut gefüllten Bier-Kühlschrank zusammen, oder aber ganz konkret mit dem Bären. Der Bären ist eine der wenigen ortsansässigen Kneipen, und ein echt charmanter Ort. Hier bin ich zum ersten Mal mit dem „Flämmli“ in Kontakt gekommen, dem wohl involviertesten Prozess, Kaffee und Alkohol zu vermischen. So involviert, dass ich eine Facebook-Seite gefunden habe, die sich rein damit befasst, oder auch eine abgekürzte Instruktion auf Vogel-Lisis Blog. Don’t try this at home. Wendet euch an einen Profi. Mein Flämmli wurde auch von einem Veteranen der Kunst hergestellt.

Zucker wird über dem brennenden Alkohol in einer Tasse geschmolzen.

Flämmli in Action

Also, es gibt durchaus etwas zu tun nach Sonnenuntergang, da auf dem Land. Aber eben: nicht sehr lange. Der Bären schliesst um eins. Damit meine ich „ein Uhr nachts“, nicht am Nachmittag des nächsten Tages, wie das bei hiesigen Clubs gerne mal passiert. Danach hat da unten nur noch das Nelson Pub auf, was, soweit ich erkennen konnte, so eine Art Äquivalent der Gräbli Bar ist, so ein bisschen letzte Ruhestätte der lokalen Alkis. Ausser, dass die Gräbli Bar 24 Stunden am Tag offen hat. Jaha, das isch Züri. Aber zurück zum Dorfleben. Das Nelson Pub ist wenig attraktiv, unter anderem, weil es das Franchise-Feeling mit sich bringt, was bei einer Bar für mein Empfinden nicht ideal ist. Ist aber im Endeffekt nicht weiter tragisch, schliesslich ist Rapperswil ein Teil des ZVV, und am Wochenende gibt es Nachtzüge. Ich kann also nach der Polizeistunde beim Bären auf einen Nachtzug, und von dort, wenn ich faul und/oder betrunken bin, auch noch auf einen Nachtbus. Oder ich nutze den Luxus meiner geografischen Wohnsituation und gehe vom Bahnhof Ö zu Fuss nach Hause.

Was aber, wenn ich, wie Dorothy, weit weg bin von zu Hause? Letztes Jahr wurde ich auf einen Silvester-Anlass in Chur aufmerksam. Die Werkstatt veranstaltete ein Cabaret Bizarre, die Gäste wurden gebeten, sich passend zu kleiden. Das wäre völlig mein Ding gewesen. Cabaret, Burlesque, Verchleiderlis? Count me in! Es war vermutlich eine ziemlich gute Show. Aber was, wenn es mich nicht bis um fünf Uhr früh unterhält? Dann bräuchte ich auch noch ein Hotelzimmer, und da sind wir wieder bei Ausgaben, die ich mir sparen kann, wenn ich mir in Zürich gleichwertige Unterhaltung suchen kann. Lang lebe der Totentanz im Dynamo.

Ich muss zugeben, die Idee, an Events ausserhalb der Stadt Zürich zu gehen, ist für mich relativ neu. Es ist, wie es ist: wenn man im Zentrum von allem aufwächst, dann gibt es keine Veranlassung, sich irgendwo sonst umzusehen. Es kommen ja alle hierher. Natürlich haben mir meine Klassenkameradinnen aus dem Gymi von dem einen Pub/Club/Dingsda erzählt, dass bei ihnen in der Nähe von Kilchberg/Samstagern/Wo-auch-immer war, und dass auch total lässig sei. Aber wieso zu dem einen Dingsda raus fahren, wenn ich ganz viele Dingsdas an einer einzigen Strasse habe?

Zugegebenermassen ist meine Mobilität von öffentlichen Verkehrsmitteln abhängig, da ich keinen Führerschein habe. Aber wir wollen ehrlich sein: wenn ich im Ausgang bin, werde ich Alkohol trinken, und es ist inzwischen hinlänglich bekannt, dass man danach nicht mehr Auto fährt. Also gibt es da nix: Taxi or bust. Und wieso soll ich 200 Franken für ein Taxi zahlen, wenn die gleiche Dienstleistung vom Mata Hari aus 20 Franken kostet?

Was, also, treibt mich denn überhaupt aufs Land? Na, die Menschen. Es gibt ja durchaus gute Leute da draussen. Hallo, Lieblingslandeier! Und ich reise bekanntlich gern. Das Kennenlernen von fremden Kulturen öffnet den Geist. Was dann übrigens bei Unterhaltungen vor Ort wieder klar wird, bei den Individuen, die eben nicht reisen. Es ist eine Tragödie. Der Bären ist aber auf jeden Fall vollumfänglich zu empfehlen. An einem Freitag oder Samstag, wenn die Nachtzüge unterwegs sind.

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