Der grosse Kanton und wir: Unsere letzte und beste Hoffnung 

Jetzt wollen auch die Briten noch mal wählen. Dafür wollen die Franzosen nicht mehr. Das, meine Damen und Herren, ist der Moment, wo die Welt mit einer etwas grösseren Wahrscheinlichkeit als normal untergeht. The Endtimes have begun.

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May the odds be ever in our favour.

Ich finde es immer wieder faszinierend, wenn Leute sich fragen, wie es damals, 1930 und folgende, zu „so etwas“ kommen konnte, aber dann die offensichtlichen Parallelen zur Gegenwart geflissentlich ignorieren.

Grossbritannien

Die Briten haben gebrexit und wollen sich von Europa trennen. Nun gut. Persönlich bin ich ja mehr amüsiert als was anderes, da ich es immer lustig finde, wenn Leute sich ins eigene Bein schiessen. Ich hoffe, sie vollziehen die Trennung zügig, das wird nämlich noch sehr lustig. Wichtig ist natürlich, dass die EU knüppelhart an die Verhandlungen rangeht. Die Briten haben es nicht anders verdient. Jetzt will Theresa May sich noch mal wählen lassen, um die Regierung noch ein bisschen mehr nach rechts zu rücken. Ganz wie der Rest Europas. Das wird aufgehen, weil sie von Labour praktisch keinen Widerstand zu erwarten hat, da diese im Moment so effektiv sind wie ein panischer Haufen Hühner. Hühner sind keine besonders intelligenten Viecher. Briten offenbar auch nicht. Was mich natürlich am meisten freuen würde, wäre eine Abspaltung Schottlands und eine Wiedervereinigung Irlands. Beides wird nicht sehr diskret diskutiert. Ich werde mehr Popcorn brauchen.

Frankreich

Ach, la France. Ich weiss noch, als Kind hatte ich grossen Respekt vor der Grande Nation. Sie war das Sinnbild von Gravitas und Souveränität. Die Präsidenten waren durchs Band Männer von Grösse. Wer erinnert sich nicht an Mitterand (die Millenials, da zu spät geboren) und seinen natürlichen Nachfolger, Chirac? Aber dann hielten es die Franzosen für nötig, einen Clown zu wählen, der dem russischen Präsidenten Jeltsin in betrunkenem Herumtorkeln in nichts nachstand. Das war der Anfang vom Ende. Und nun steht Marine LePen, ihres Zeichens Faschistin, vor der Tür. Die Wahlen sind am 7. Mai, und ich befürchte das Schlimmste. Denn offenbar wollen viele Franzosen und Französinnen nicht wählen gehen, aus Politikverdrossenheit. Während ich das Sentiment durchaus kenne und verstehe, ist das hier einfach nicht der ideale Zeitpunkt dafür. Oder müssen wir noch einmal über Trump reden?

Nummer 45

Seinen Namen durch eine Zahl zu ersetzen raubt ihm die Genugtuung seiner Eitelkeit. Nennt ihn 45, es wird ihn ärgern, auch wenn er euch gar nicht kennt. Es gibt nichts, was nicht schon gesagt wurde. Zusammenfassend nur dies: er wurde überproportional von weissen Männern gewählt, die ihn wegen seiner Dummheit, seinem Rassismus und seiner Misogynie toll finden. Das sind alles Faktoren, die für diese Wählerschaft für ihn gesprochen haben. Ein tragischeres Armutszeugnis für eine ganze Nation findet sich wohl nirgends.

Was ich aber wichtig finde, ist, dass wir aufhören, uns zu scheuen, den Vergleich mit Hitler zu ziehen. Indem wir konstant darauf bestehen, dass 45 auf gar keinen Fall jemals an Hitler herankommt, tun wir zwei Dinge: wir unterschätzen den Schaden, den 45 anrichten kann, ganz gewaltig, denn auch Hitler war noch nicht Endlösungs-Hitler, als er gewählt wurde. Da ist, sozusagen, noch Luft nach rechts. Und zweitens wiegen wir uns in der falschen Sicherheit, dass Hitler ein solches Ausnahmephänomen war, dass es niemals wieder etwas wie ihn geben kann. Das ist Bullshit, und es ist äusserst gefährlicher Bullshit, denn er macht uns blind gegenüber den absolut beängstigenden Fakten der Aktualität. Denn JA, es kann wieder passieren, und JA, es passiert hier und jetzt, in diesem Moment, direkt vor unseren Augen.

Die Türkei

Motherfucking Türkei, ohne Scheiss. Man muss Erdogan gratulieren, mit seinem brillianten Schachzug hat er sein Parlament vollkommen ausgehebelt, er trägt jetzt alle Macht im Staat. Er ist ein Diktator im eigentlichen Sinn. 45 erblasst vor Neid zu einem hellen Gelb. Die Türkei ist durch diese Verfassungsänderung zur Diktatur geworden. Es ist immer etwas befremdlich, wenn ein Volk für seinen eigenen Untergang stimmt.

Osteuropa

Top of my shitlist ist ja schon lange Ungarn. Doch auch in Tschechien, Polen, der Slovakei und den Resten Jugoslawiens erfreuen sich Rechtsextremen Parteien grosser Popularität. Wir wollen keine Flüchtlinge, sagen sie. Die passen nicht in unsere Kultur, sagen sie. Das sind notabene die gleichen Leute, die vor nicht mal 60 Jahren zu tausenden aus ihren Ländern in den Westen geflüchtet sind, und wir, wir haben sie aufgenommen. Ich bin in einer ungarisch-jüdischen Wohnsiedlung aufgewachsen, mitten in Zürich. Die haben mit ihrer Kultur (muss hier alles nach Zwiebeln riechen?) und ihrer Religion (wir sind eine Reformationsstadt) auch nicht zu uns gepasst. Aber wir sind Schweizer/innen, und haben in typischer Manier höchstens passiv-aggressiv die Nase gerümpft – und weiter gemacht. Und diese Osteuropäer/innen, die haben sich angepasst wie niemand sonst. Subito haben sie sich einbürgern lassen, und jetzt wählen sie SVP.

Hug a German

Wer hätte gedacht, dass Deutschland dereinst unsere letzte Hoffnung gegen den Faschismus sein würde. Die Deutschen liegen zur Zeit im Rennen darum, wer der grösste Nazi sein kann, ganz hinten. Niemals hätte ich es bei der Wiedervereinigung vor, ähm, ich sag mal, 25 Jahren gedacht, dass ich einst voller Hoffnung auf Deutschland schauen würde als letzten Jedi, der uns vor der dunklen Seite der Macht bewahrt. Niemals hätte ich gedacht, dass eine CDU-Politikerin sich als stärkste Stimme für Vernunft, Integrität und Solidarität erweisen würde.

Das habe ich nicht kommen sehen. Wie die meisten SchweizerInnen hatte ich immer ein etwas ambivalentes Verhältnis zum grossen Kanton. Inzwischen bin ich ein bisschen dankbar. Die Deutschen sind wegen ihrer Geschichte so hochsensibel gegenüber der momentanen Strömungen, dass sie sich schon präventiv heftig wehren. Sie sind, um mich dieser Metapher zu bedienen, „wach“. Und das haben wir dringend nötig. Wir sind viel zu spät dran, um „der Anfänge zu wehren“, aber wir müssen Widerstand leisten. Und während die Wahlen in den Niederlanden und Österreich Anlass zur Hoffnung geben, steht Frankreich auf der Kippe. Auch in Deutschland wird dieses Jahr gewählt; go, Angie!

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