Gebrauchsanweisung für die Stadt: How to ÖV mit Schnee

Eine Kurzanleitung

Meine Damen und Herren, es hat geschneit. Das ist hübsch anzusehen, und für den Strassenverkehr jedes Mal ein bisschen eine Herausforderung. Dies vorweg: Pünktlichkeit hat unter diesen Umständen einen relativ geringen Stellenwert. Hauptsache ist, man kommt an. Mit diesen klaren Vorgaben vor Augen sollte es uns leichter fallen, die Situation zu meistern, ohne völlig abzudrehen.

Schnee – Was nun?

In den Worten der Züri-Linie: „einzelne Buslinien verkehren auf Teilstrecken oder sind eingestellt.“ Dies betrifft insbesondere die sogenannten „Berglinien“. Und nein, wir haben keine Berge in der Stadt, aber Steigungen. Ich konnte mir, da ich an so einer Steigung wohne, gestern gleich denken, dass ich wohl nicht mit dem Bus in die Schule komme. Zum Glück verfügt die Stadt Zürich nicht – wie andere, unüberlegtere Städte – nur über Bus-, sondern auch über Tramlinien. Tram können normalerweise einigermassen gut mit Wetter. Das erleichtert die Entscheidung: wir gehen den Schienen nach. Natürlich ist die gewünschte Tramlinie, die 14, auch so eine Art Berglinie: das Triemli auf der einen Seite, Oerlikon auf der anderen. Auch da wird es also zu den gerne zitierten „unregelmässigen Zeitabständen“ kommen, aber eben: davon bin ich ja nicht alleine betroffen.

Keine Panik

Jetzt chill mal ein bisschen. (Haha! Chill! Wegen Kälte!) Kein Stress. Wir kommen heute nämlich alle zu spät. Wir sitzen, geographisch bedingt, alle im gleichen Boot. Nicht nur ich bin spät dran für den Unterricht, die Hälfte meiner Klasse ist auch noch unterwegs. Du hast einen Geschäftstermin? Schon die Mails gecheckt, wo dir die Gegenpartei erzählt, sie stecke im Stau/ÖV fest?

Wie gesagt, das ist ein klassisches Beispiel von dem, was gemeinhin als „höhere Gewalt“ bekannt ist. Leute, die einem unter diesen Umständen eine Verspätung übel nehmen, sind schlicht und ergreifend nicht ganz dicht. Also ruhig.

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Paradeplatz. Hübsch.

Keine dummen Sprüche über die VBZ oder Zürich

Ich hab euch schon gehört, ihr Landeier. Von wegen „es schneit imfall jedes Jahr, da könnten die echt mal besser vorbereitet sein!“.

  1. Als ob das auch nur ansatzweise der Wahrheit entsprechen würde. Die VBZ sind sehr wohl vorbereitet, und vermutlich seit nachts um drei Uhr schon wieder im Einsatz in der Hoffnung, die Situation noch vor dem Pendlerverkehr in den Griff zu kriegen. Für sie ist das Ganze nämlich mühsamer als für dich, du Pinsel.
  2. Als ob wir uns von Landeiern in der Hinsicht was sagen lassen würden. Die Tram fahren jetzt halt im Viertelstundentakt, also immer noch doppelt so oft wie das Postauto in deinem Kaff.
  3. Als ob so ein Vorwurf was wert wäre von einem Typen, der gerade mit glattsohligen Lederhalbschuhen am Paradeplatz im Schnee steht. Wenn du nicht mal fähig bist, dein Schuhwerk den Umständen anzupassen, kannst du dir kaum das Maul zerreissen über die Planung der VBZ.

Contenance, liebe Mitmenschen

Wir haben doch nicht schon wieder alles vergessen über das Verhalten in öffentlichen Verkehrsmitteln? Ja, Krisensituationen verlangen uns sogar noch ein Quentchen mehr Rücksichtnahme ab als die ÖV-Benutzung dies unter normalen Bedingungen tut. Ich verstehe, da zehrt alles an den Nerven. Da die Busse ausgefallen sind, weichen alle aufs Tram aus. Das Tram fährt unregelmässig. Zuviele Leute wollen ins gleiche Gefährt hinein. Das verleitet einige Menschen dazu, sich in einen kindähnlichen Zustand zurück zu entwickeln. Aber täubelen hilft hier nicht. Wir müssen versuchen, uns wie zivilisierte Menschen zu verhalten. Praktisch so, als wärt ihr von Anfang an in der Stadt aufgewachsen.

  • Wir schliessen auf ins Innere des Trams. Wirklich. Da wollen ganz viele Leute rein, und an der Tür stehen zu bleiben ist keine Option. Ausser, man wartet, bis alle anderen drin sind, und steigt als letzte Person ein.
  • Wenn man allerdings absichtlich an der Tür steht, dann ausschliesslich, weil man unmittelbar bei der nächsten Haltestelle wieder aussteigt. Nicht an der Übernächsten. Nicht in fünf Minuten. SOFORT.
  • Es kann sein, dass man keinen Platz mehr findet in diesem Tram. Dann drängelt man nicht einfach rein, sondern wartet auf das nächste. Es gibt ihn nämlich, den Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringt. Ein überlaufendes Fass fährt nicht.
  • Das ist nicht der Moment, um besonders viel Platz im Tram zu beanspruchen. Das heisst, du kannst jetzt halt nicht deine übereinander geschlagenen Beine locker in den Gang hängen. Dort stehen nämlich Leute. Heute, liebe Männer, gehören auch bei euch die Knie zusammen. Männlein und Weiblein stellt die Tasche oder den Rucksack zwischen den Beinen auf den Boden. Möbelstücke/ Kinderwagen/ Kontrabässe müssen vermutlich ruhigere Zeiten abwarten.

Es ist alles nicht so schlimm

Meine Mitschüler und ich sind zwischen vier und 30 Minuten zu spät zum Unterricht erschienen. Mit Ausnahme von Beni, natürlich, der in seinem Kaff vergeblich über eine Stunde auf einen Bus gewartet hat. Aber der lebt halt auf dem Land. Für den Rest von uns war es also nicht dramatisch. Vielleicht ist das der Moment, wo wir uns kurz vor Augen halten, auf wie hohem Niveau wir eigentlich jammern.

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Lueg, d Limmat. So schön. 

 

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