Der Konvention neue Kleider

Nein, heute ist nicht Fasnacht, ich sehe immer so aus. Und überhaupt, das ist Zürich, wir feiern keine Fasnacht. Wir brauchen sie nicht; im Gegensatz zu den Gepflogenheiten auf dem Dorf können wir nämlich in der Stadt weitgehend so aussehen, wie wir wollen – dachte ich zumindest. Letzte Woche musste ich mich allerdings von den Hüter/innen der Konventionen eines Besseren belehren lassen.

Und wie du wieder aussiehst!

2007 brachten Die Ärzte einen Song raus, der meiner Grossmutter aus der Seele gesprochen hätte. Natürlich ohne die Ironie.

Und wie du wieder aussiehst – Löcher in der Hose, und ständig dieser Lärm
(Was sollen die Nachbarn sagen?)
Und dann noch deine Haare, da fehlen mir die Worte – musst du die denn färben?
(Was sollen die Nachbarn sagen?)

Denn die Löcher in der Hose, dem Kleid, dem Pulli, das war ein endloses Thema. Und diese Schminke! Ich wurde mit 16 zum Pseudo-Gruftie (nur die Ästhetik, nicht die Musik) und es liegt auf der Hand, dass die Kleidung auch dazu diente, mich von den normalen Leuten abzuheben. Denn es gibt sie, die Garderoben-Genormten: Jeans und T-Shirt, Jeans und Pulli, Jeans und Hemd. Kleidung ist Code, und wir urteilen danach.

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Das Problem mit der Sexarbeit

Das Problem ist nicht die Sexarbeit, das Problem bist du. Und zwar völlig unabhängig von deiner politischen Ausrichtung. Rechts aussen wird Sexarbeit als eine Frage des moralischen Zerfalls unserer Gesellschaft dargestellt, links aussen wird sie als die ultimative Ausbeutung des weiblichen Körpers durch den Kapitalismus thematisiert. Sexarbeiter/innen sind Huren, unanständige Frauen, leichte Mädchen, Opfer. (In diesen Diskussionen wird übrigens die Existenz von männlichen Sexarbeitern fast vollständig ignoriert.) Sexarbeit hat einen besonderen Stellenwert in jeder Diskussion über Arbeit. Jedoch kann keiner der Diskussionspunkte, die die Sexarbeit hervorheben, objektiv als Fakt eingestuft werden, da jeder einzelne davon moralisch gefärbt ist.

Die Sache mit der Moralität

Darüber will ich nicht viele Worte verlieren. Wir leben in einer sekularen Gesellschaft, in der das sittliche Empfinden der/des Einzelnen auch nur für diese eine Person relevant ist. Es geht nicht an, seine eigene – möglicherweise religiös gefärbte – Weltanschauung auf andere zu projizieren. Natürlich kann man von der Schweizer Gesetzeslage noch nicht behaupten, dass sie völlig vom Christentum entkoppelt ist, aber wir sind immerhin auf dem richtigen Weg, und jeder Schritt zurück führt tatsächlich einfach wieder ins Mittelalter. Habt ihr die hygienischen Zustände dort gesehen? Das will niemand. Falls also deine Haltung gegenüber der Sexarbeit irgendwas mit Religion oder Sittlichkeit oder anderer patriarchaler, Misogynie-verseuchter Philosophie zu tun hat, lass stecken. Das geht uns am Arsch vorbei.

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Not All Men

Ich habe einen arabischen Familiennamen. Das führt dazu, dass ich, die ich Protestantin und in der Stadt Zürich aufgewachsen bin, nach jedem von islamischen Extremisten verübten Terroranschlag gefragt werde, wie ich das denn so finde.

For the record: Scheisse. Ich finde religiösen und anderen Terror Scheisse.

Und was habe ich damit zu tun? Genetik. Mein Vater ist Araber, und ich habe in der momentanen weltgeschichtlichen Lage die Arschkarte gezogen. Ich, die ich Schweizerin und Christin bin, muss mich von islamischem Terror distanzieren. Ich stehe, genetisch bedingt, unter Generalverdacht. Daher, und nun kommen wir zum eigentlichen Thema dieses Posts, verstehe ich, warum einem unbehaglich ist, wenn man sich für Leute entschuldigen/rechtfertigen muss, mit denen man nebst genetischen Markern nichts gemeinsam hat. Auch das ist nämlich Scheisse.

Sonntagmorgen, Langstrasse & die Frage, welcher gruslige Taxifahrer am wenigsten wie ein Vergewaltiger aussieht.  #justgirlythings

Der Originalpost, mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

Eine Freundin von mir hat letzten Sonntag früh einen Facebook-Status veröffentlicht darüber, wie unwohl sie sich bei vielen Taxifahrern fühlt, wenn sie nachts auf dem Weg nach Hause ist. Sie hat dort geschrieben, dass sie immer ein bisschen schaut, wer am wenigsten nach Vergewaltiger aussieht. Und kaum hat Frau diese Bedenken geäussert, kriechen sie aus ihren Löchern: die Nicht-Alle-Männer.

Schwestern und Gentlemen, ihr kennt sie. Die Nicht-Alle-Männer sind die Ersten, die sich zu Wort melden, wenn besonders Frauen (sogenannte Betroffene) ihre gelebte Erfahrung mit der systemischen Misogynie unserer Gesellschaft öffentlich machen. Denn ganz egal, wie viele Frauen Opfer von sexuellen Übergriffen aller Art werden, für Nicht-Alle-Männer ist es fundamental, dass auch die Frau, die bewusstlos hinter einer Mülltonne von einem Kommilitonen vergewaltigt wurde, weiss, dass dieser spezifische Sprecher/Schreiber so etwas nie tun würde. Dass ein Mensch in einer Position der absoluten Hilflosigkeit auf widerlichste Weise missbraucht wurde, ist dabei für Nicht-Alle-Männer sekundär. Wichtig ist einzig, dass allen (Frauen) präsent ist, dass sie ganz anders sind.

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Verrat aus den eigenen Reihen

Am Freitag vor einer Woche ist es mir passiert. Nicht zum ersten Mal, sicher nicht zum letzten Mal, aber halt mal wieder, einfach, um mich daran zu erinnern, dass wir noch einen langen, langen Weg zu gehen haben.

Ich habe ihnen Auge in Auge gegenübergestanden, den Frauen, die den Feminismus nicht brauchen™.

Ihr kennt sie. Es sind die, die keine Sonderbehandlung wollen. Die, die Männer ganz toll finden. Die, die ihrem Mann gerne das Essen kochen und die Wohnung putzen. Die, die noch nie in ihrem Leben benachteiligt worden sind, weil sie Frauen sind, nein, eigentlich hatten sie dadurch immer nur Vorteile! Kurzum, es sind die Frauen, die nicht verstehen, was Feminismus ist. Daher vielleicht, um künftige Missverständnisse zu vermeiden, ein Auszug aus dem zugehörigen Wikipedia-Artikel:


Feminismus (abgeleitet von lateinisch femina Frau und -ismus über französisch féminisme) bezeichnet sowohl eine akademische als auch eine soziale Bewegung, die für Gleichberechtigung, Menschenwürde, die Selbstbestimmung von Frauen sowie gegen Sexismus eintritt. Daneben verweist Feminismus auf politische Theorien, die – über einzelne Anliegen hinaus – die Gesamtheit gesellschaftlicher Verhältnisse, einen grundlegenden Wandel der sozialen und symbolischen Ordnung und der Geschlechterverhältnisse im Blick haben. Gleichzeitig erlauben sie Deutungen und Argumente zur Gesellschaftskritik.

[…] Auf dieser Basis beinhaltet Feminismus auch die Forderung, nicht nur Gleichberechtigung von Frauen und Männern formal (gesetzlich) zu postulieren, sondern auch jene konkreten Zustände anzufechten, in welchen dieses Versprechen real noch immer nicht eingelöst worden ist (vgl. Gleichstellung). Zu diesem Zweck setzten sich Feministinnen und Feministen mit den philosophischen Begründungen für bzw. gegen die Ungleichbehandlung auseinander und entwickelten verschiedene feministische Theorien und Denkansätze als kritische Kultur- und Gesellschaftsanalysen. Jedoch gilt ein einheitlicher Feminismus, dessen Definition weltweite Gültigkeit besäße, heutzutage nicht zwingend als erstrebenswertes Ziel, da Frauen aus unterschiedlichen Kulturen und gesellschaftlichen Verhältnissen stammen, die sie stärker prägen können als das Geschlecht.


Soweit, so klar. Nun zum Geschichtli.

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Ich bin fett.

Guten Tag. Mein Name ist Sabrina und ich bin fett. Ich weiss, was Coming Outs betrifft, ist das eher auf der bescheidenen Seite, denn ich erzähle euch ja nichts Neues. Zumindest nicht denen, die mich schon mal live gesehen haben. Jedoch handelt es sich hier tatsächlich um eine Art Durchbruch, dieses Statement. Zum ersten Mal gehört habe ich es letztes Jahr, von der grandiosen Lindy West, die ihr Coming Out in ihr Buch packte, so wichtig war es. Worum es geht, ist ein Statement, dass in seiner Tragweite von schlanken Menschen nicht verstanden werden kann:

Ich bin fett, und das ändert sich nicht.

Fette Menschen sind dazu angehalten, sich angemessen für ihren Körper zu schämen. Ein/e gute/r „Fattie“ isst in der Öffentlichkeit nicht, oder höchstens Gemüse, um anzuzeigen, dass er/sie sich bewusst ist, dass alles, was gut schmeckt, auf dem Altar der Selbstkasteiung geopfert werden muss. Im Sommer ein Glacé, wie alle anderen, hier, mitten auf der Strasse? Nur, wenn man bereit ist, sich den strafenden Blicken der optisch Fitteren auszusetzen.

Insbesondere als fette Frau hat man in seiner Daseinsberechtigung versagt. Frauen sind primär dazu gedacht, attraktiv zu sein, um am Arm eines Mannes dessen Status zu steigern. In diesem Zusammenhang sind wir nichts weniger als eine Blamage für jeden Mann, der sich mit uns auf die Strasse traut. Schliesslich muss sich dann jeder andere Mann fragen, warum der hier nichts Besseres abgekriegt hat. Nevermind Persönlichkeit und so’n Scheiss: Frauen werden gesehen, nicht gehört. Und fette Frauen will man nicht sehen. Schon gar nicht im Bikini.

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