Die falschen Äquivalente

Wir leben in einer Zeit der falschen Äquivalente. Irgendwie hält sich immer noch dieser Gedanke, dass Gewalt von links „genau so falsch“, wenn nicht sogar schlimmer ist, als Gewalt von rechts. Dass sich die Einen dabei gegen die stellen, die einen Teil der Menschheit wieder mal in Gaskammern schicken oder schlicht im Mittelmeer ertrinken lassen möchten, scheint vielen händeringenden, lauwarmen Leuten irgendwie unter zu gehen. Ich habe solche Menschen in meinem Freundeskreis. Solche, die – und anders kann ich es mir nicht erklären – um jeden Preis den Frieden wahren wollen. Einen Frieden, der es ihnen erlaubt, so zu tun, als wäre die Welt einigermassen in Ordnung. Einen künstlichen Frieden, bei dem die Unterdrückten die Schnauze halten und nicht auffallen. Und deshalb werfen sie den „linken Chaoten“ einmal mehr unangebrachte Gewalt vor: einem Nazi eins aufs Maul zu geben ist für die Lauwarmen gleich schlimm, wie wenn der rechte Mob ein Asylzentrum in Brand steckt. Sie drängen uns dazu, die „andere Seite“ zu sehen, als ob es bei rechtem Gedankengut eine andere Seite gäbe; sie sind es, die Trump „eine Chance geben“ wollten, als er das mächtigste politische Amt der Welt antrat. Sie erinnern mich ein bisschen an die drei Äffchen, die weder Böses sehen, noch hören, noch sagen, und so hoffen, das Böse möge an ihnen vorbei gehen.  Ich nehme an, wenn wir uns alle bei den Händen nehmen, um ein Lagerfeuer singen und an Regenbögen denken, wird sicher alles gut. Wie beim letzten Mal.

Eine Galerie linker Chaoten: Dolores Ibárruri, Sophie Scholl, Nelson Mandela und Malcolm X.
Eine Galerie linker Chaoten: Dolores Ibárruri, Sophie Scholl, Nelson Mandela und Malcolm X.

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Ich wäre eigentlich lieber lustig.

Das kann ich nämlich, lustig sein. Ich bin fucking hilarious die meiste Zeit, fragt mal meine Freundinnen, meine Schwestern und/oder meine Dungeons and Dragons Gruppe. HI. LA. RI. OUS. Aber im letzten Monat hab ich mich echt einfach pausenlos über irgend einen Müll aufregen müssen. Da hätte es sich natürlich angeboten, zu bloggen. Andererseits käme dabei nur virtuelles Rumgeschreie heraus.

Ich bin nämlich echt verdammt genervt.

a red ball of flame with an angry face
Ich am Abstimmungssonntag.

Die Schuld trägt ja grösstenteils die Politik. Ist klar, was sonst kann einem so auf den Magen schlagen? Wir hatten Abstimmungen. Die KatalanInnen – trotz erheblichen Widerstands der spanischen Zentralregierung – auch. Die Deutschen haben gewählt. In den USA werden Menschen erschossen und es darf noch immer nicht über die Regulierung von Schusswaffen diskutiert werden. Sobald ich einen Post über zwanghafte Mansplainer veröffentliche, kommt ein Mansplainer daher, um mir meine Argumentation zu mansplainen. Kurz, es ist alles gerade etwas mühsam. Ah jo, zusätzlich habe ich auch eine Prüfung verkackt. Hrmpf. Das ist aber irgendwie mein kleinstes Problem.

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Das S-Wort

Letzte Woche hat sich die Premier-Ministerin Grossbritanniens heftig verkalkuliert und bei den von ihr vorgezogenen Wahlen massiv Sitze eingebüsst. So viele, dass sie jetzt keine absolute Mehrheit mehr hat, und sich mit einer superkonservativen, ultrarechten Mini-Partei aus Nordirland zusammentun muss, um weiter regieren zu können. Und weil sie sich gerade an den politisch Meistbietenden verkauft hat, gibt es jetzt Menschen, die sie als Schlampe oder auch als Hure bezeichnen. Dies ist scheinbar in Grossbritannien passiert und hat einen meiner Lieblingsmenschen, J.K. Rowling, zu einem veritablen Tweetsturm veranlasst.

Was besonders schwer wiegt ist die Tatsache, dass J.K. diesen Mann ursprünglich gut fand. Er sei witzig und klug, und ich darf annehmen, ansonsten auch eloquent. Und ich verstehe den Schmerz nur allzu gut: Wenn nicht mal die guten Männer begreifen, warum man eine Frau, die einem nicht passt, nicht einfach als Hure/Schlampe/Flittchen etc. betiteln kann, welche Hoffnung gibt es denn bei den Männern, die uns sowieso nicht als Menschen sehen? Wenn schon die Männer, die sich – guten Gewissens! – als Feministen bezeichnen, ihre eigene Misogynie nicht erkennen, welche Chance haben wir dann auf lange Sicht gegen die alles durchdringende Rape Culture? Ich verstehe ihren Schmerz nur zu gut, denn am Samstag ist mir dasselbe passiert.

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Der grosse Kanton und wir: Unsere letzte und beste Hoffnung 

Jetzt wollen auch die Briten noch mal wählen. Dafür wollen die Franzosen nicht mehr. Das, meine Damen und Herren, ist der Moment, wo die Welt mit einer etwas grösseren Wahrscheinlichkeit als normal untergeht. The Endtimes have begun.

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May the odds be ever in our favour.

Ich finde es immer wieder faszinierend, wenn Leute sich fragen, wie es damals, 1930 und folgende, zu „so etwas“ kommen konnte, aber dann die offensichtlichen Parallelen zur Gegenwart geflissentlich ignorieren.

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