Migros vs. Coop: New Kid in Town

Durch die Schweizer Bevölkerung läuft eine Schneise, die uns in zwei Lager teilt. Es ist eine harte Grenze, definierter als die zwischen deutsch- und französischsprachigen SchweizerInnen, eine Glaubensfrage, die tiefer greift als die Kluft zwischen Katholizismus und Protestantentum, es ist die schweizerische Gretchenfrage: bist du ein Migros-Kind oder ein Coop-Kind?

Ein M besser
Ich bin ein Migros-Kind.

Diese Fixierung wird vererbt. Wenn die Eltern Migros-Kinder waren, wird der Nachwuchs auch schon früh dahingehend geprägt. Schwierig wird es, wenn sich ein Migros-Kind mit einem Coop-Kind einlässt und sich in der Folge fortpflanzt: wer gewinnt? Nun, natürlich die Person, die die Einkäufe erledigt.

Selbstverständlich spielt manchmal Proximität eine Rolle. Ich habe gehört, dass es auf dem Land Menschen gibt, die weder Migros- noch Coop-Kinder sind, weil halt weder das eine noch das andere vor Ort verfügbar war. Sie sind mit Volg aufgewachsen, oder Landi. Ich weiss. Landi. Da kann man sich schon vorstellen, warum das Stadtkind noch nie so einen von innen gesehen hat. Wie gesagt, es kommt durchaus darauf an, was verfügbar ist – in der Frühphase. Und es ist tatsächlich so, dass Migros in meiner Kindheit näher war als Coop. Ist die Indoktrination aber komplett, verliert dieser Umstand jegliche Relevanz. Dort, wo ich jetzt wohne, ist Coop klar in der geographisch besseren Position. Nützt aber nichts: ich fahre im Ernstfall – wenn ich die regulären Öffnungszeiten verpasst habe – lieber 25 Minuten zum Flughafen raus, als zum Coop, der zwei Tramstationen von mir entfernt ist, und etwas länger offen hat als die nächste Migros.

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Gebrauchsanweisung für die Stadt: How to Migros

„For your convenience, we suggest courageous, efficient self-service!“ – Engrish, gefunden in einem Supermarkt in Hong Kong

Das Leben ist kein Ponyhof und die Stadt kein Kindergeburtstag. In der Stadt trifft man gerne mal auf Leute, die es pressant haben. Stuff to do, places to be, etc. Viele von uns gehen einkaufen. Viele von uns gehen, arbeitstechnisch bedingt, zur gleichen Zeit einkaufen. Fingerspitzengefühl ist gefragt.

Ich gebe zu, die Migros kann einem, gerade an einem Samstag, das Äusserste abverlangen. Alle Methoden, die wir uns im Laufe unseres Lebens erarbeitet haben, um durch den Alltag zu kommen, ohne uns im Sinne von Artikel 113 des Strafgesetzbuches schuldig zu machen, werden bei dieser Gelegenheit abgerufen. Und unsere Mitmenschen machen es uns nicht leicht. Sie verstossen gegen die Regeln des Stadtlebens, des Anstands und des gesunden Menschenverstandes.

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Gebrauchsanweisung für die Stadt: How to ÖV

Da es scheinbar Menschen gibt, die die Kinderstube nur von aussen gesehen haben, fühle ich mich gezwungen, eine Serie von Anleitungen zu verfassen, wie man sich in einer Stadt benimmt. Ich werfe ja niemandem vor, dass er/sie auf dem Land aufgewachsen ist, wo man das mit den Manieren etwas ungezwungener sieht – vor allem, weil man ja nie auf mehr als acht Menschen auf einmal trifft. Ich verstehe es: man hat Platz zum versauen, und damit einen die Mitmenschen überhaupt hören, braucht man die Stimmgewalt eines Pavarotti. Man kennt alle. Mit der Hälfte ist man verwandt und verschwägert. Alles ist vertraut und locker.

Willkommen in der Stadt. Hier läuft das anders.

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Observationen aus dem benachbarten Ausland: Culinaria

Ein der wichtigsten Fragen, die man bei Antritt einer neue Stelle klären muss, ist, wo das Essen herkommen soll. Ja, klar, ich koche gern und oft, aber halt nicht immer. Und dann muss externes Essen her. Rapperswil ist dahingehend, sagen wir, eher konservativ. Gegenüber dem Büro stehen eine sympathische und eine weniger sympathische Beiz, die Migros ist nicht weit, und einen Pizzalieferdienst gibt es auch.

Ein Highlight ist die Dame mit dem Thai-Restaurant schräg über die Kreuzung: ihre Gerichte sind hervorragend, auch wenn die Preise Stadtzürcher Flair haben, und ihr Service gibt immer tagelang zu reden im Büro. Es ist bemerkenswert, wie lange es dauert, dort zu der angestrebten Portion roten Thai-Currys mit Ente zu kommen. Minuten werden zu Stunden, Tage vergehen, die Jahreszeiten wechseln sich ab, und man hofft einfach, noch vor der Pensionierung dran zu kommen. Die Schlange vor dem Lokal macht einem natürlich klar, welch grosser Beliebtheit sich dieses erfreut. Aber wenn Madame auch nur den Hauch von Effizienz besässe – wir könnten binnen Minuten drin und wieder draussen sein. Es ist ein Spektakel, das sich jeder Beschreibung entzieht. Geradezu traumtänzerisch wirkt ihre Herangehensweise, gänzlich unverständlich für den Geist im Wachzustand. Vermutlich ist da etwas Transzendentales, das sich meiner gestressten Stadtseele noch nicht offenbart hat.

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