Observationen aus dem benachbarten Ausland: Culinaria

Ein der wichtigsten Fragen, die man bei Antritt einer neue Stelle klären muss, ist, wo das Essen herkommen soll. Ja, klar, ich koche gern und oft, aber halt nicht immer. Und dann muss externes Essen her. Rapperswil ist dahingehend, sagen wir, eher konservativ. Gegenüber dem Büro stehen eine sympathische und eine weniger sympathische Beiz, die Migros ist nicht weit, und einen Pizzalieferdienst gibt es auch.

Ein Highlight ist die Dame mit dem Thai-Restaurant schräg über die Kreuzung: ihre Gerichte sind hervorragend, auch wenn die Preise Stadtzürcher Flair haben, und ihr Service gibt immer tagelang zu reden im Büro. Es ist bemerkenswert, wie lange es dauert, dort zu der angestrebten Portion roten Thai-Currys mit Ente zu kommen. Minuten werden zu Stunden, Tage vergehen, die Jahreszeiten wechseln sich ab, und man hofft einfach, noch vor der Pensionierung dran zu kommen. Die Schlange vor dem Lokal macht einem natürlich klar, welch grosser Beliebtheit sich dieses erfreut. Aber wenn Madame auch nur den Hauch von Effizienz besässe – wir könnten binnen Minuten drin und wieder draussen sein. Es ist ein Spektakel, das sich jeder Beschreibung entzieht. Geradezu traumtänzerisch wirkt ihre Herangehensweise, gänzlich unverständlich für den Geist im Wachzustand. Vermutlich ist da etwas Transzendentales, das sich meiner gestressten Stadtseele noch nicht offenbart hat.

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