Ich bin fett.

Guten Tag. Mein Name ist Nahret und ich bin fett. Ich weiss, was Coming Outs betrifft, ist das eher auf der bescheidenen Seite, denn ich erzähle euch ja nichts Neues. Zumindest nicht denen, die mich schon mal live gesehen haben. Jedoch handelt es sich hier tatsächlich um eine Art Durchbruch, dieses Statement. Zum ersten Mal gehört habe ich es letztes Jahr, von der grandiosen Lindy West, die ihr Coming Out in ihr Buch packte, so wichtig war es. Worum es geht, ist ein Statement, dass in seiner Tragweite von schlanken Menschen nicht verstanden werden kann:

Ich bin fett, und das ändert sich nicht.

Fette Menschen sind dazu angehalten, sich angemessen für ihren Körper zu schämen. Ein/e gute/r „Fattie“ isst in der Öffentlichkeit nicht, oder höchstens Gemüse, um anzuzeigen, dass er/sie sich bewusst ist, dass alles, was gut schmeckt, auf dem Altar der Selbstkasteiung geopfert werden muss. Im Sommer ein Glacé, wie alle anderen, hier, mitten auf der Strasse? Nur, wenn man bereit ist, sich den strafenden Blicken der optisch Fitteren auszusetzen.

Insbesondere als fette Frau hat man in seiner Daseinsberechtigung versagt. Frauen sind primär dazu gedacht, attraktiv zu sein, um am Arm eines Mannes dessen Status zu steigern. In diesem Zusammenhang sind wir nichts weniger als eine Blamage für jeden Mann, der sich mit uns auf die Strasse traut. Schliesslich muss sich dann jeder andere Mann fragen, warum der hier nichts Besseres abgekriegt hat. Nevermind Persönlichkeit und so’n Scheiss: Frauen werden gesehen, nicht gehört. Und fette Frauen will man nicht sehen. Schon gar nicht im Bikini.

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