Aber woher kommst du wirklich? 

Ich wurde in der Maternité des Stadtspitals Triemli geboren und bin in einem Haus aufgewachsen, dass sich 450m (Luftlinie) davon entfernt befindet. Mein Kindergarten war vom Küchenfenster aus sichtbar, ebenso meine Sekundarschule (also, vom Balkon aus). Mein Primarschulhaus stand – 370m von meinen Wohnhaus entfernt – direkt hinter der Kirche, in der ich getauft worden war. Mit 14 Jahren bin ich ins Gymnasium gekommen, und musste erstmals mit den ÖV zur Schule, in den angrenzenden Kreis 2. Erst mit 28 bin ich von Wiedikon ans andere Ende der Stadt gezogen, nach Oerlikon. Wenn ich also gefragt werde, woher ich „wirklich“ komme, dann denke ich

Wiedike, Motherfucker, do you know it?
„Say ‚where‘ one more fucking time.“

Aber ich sage: „Us Wiedike. Werum?“

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Das Problem mit der Sexarbeit

Das Problem ist nicht die Sexarbeit, das Problem bist du. Und zwar völlig unabhängig von deiner politischen Ausrichtung. Rechts aussen wird Sexarbeit als eine Frage des moralischen Zerfalls unserer Gesellschaft dargestellt, links aussen wird sie als die ultimative Ausbeutung des weiblichen Körpers durch den Kapitalismus thematisiert. Sexarbeiter/innen sind Huren, unanständige Frauen, leichte Mädchen, Opfer. (In diesen Diskussionen wird übrigens die Existenz von männlichen Sexarbeitern fast vollständig ignoriert.) Sexarbeit hat einen besonderen Stellenwert in jeder Diskussion über Arbeit. Jedoch kann keiner der Diskussionspunkte, die die Sexarbeit hervorheben, objektiv als Fakt eingestuft werden, da jeder einzelne davon moralisch gefärbt ist.

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Patronin der Künste und selbst Künstlerin, ist Jeanne Antoinette Poisson, Marquise de Pompadour, doch am besten bekannt als Mätresse von Louis XV.

Die Sache mit der Moralität

Darüber will ich nicht viele Worte verlieren. Wir leben in einer sekularen Gesellschaft, in der das sittliche Empfinden der/des Einzelnen auch nur für diese eine Person relevant ist. Es geht nicht an, seine eigene – möglicherweise religiös gefärbte – Weltanschauung auf andere zu projizieren. Natürlich kann man von der Schweizer Gesetzeslage noch nicht behaupten, dass sie völlig vom Christentum entkoppelt ist, aber wir sind immerhin auf dem richtigen Weg, und jeder Schritt zurück führt tatsächlich einfach wieder ins Mittelalter. Habt ihr die hygienischen Zustände dort gesehen? Das will niemand. Falls also deine Haltung gegenüber der Sexarbeit irgendwas mit Religion oder Sittlichkeit oder anderer patriarchaler, Misogynie-verseuchter Philosophie zu tun hat, lass stecken. Das geht uns am Arsch vorbei.

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Ich bin fett.

Guten Tag. Mein Name ist Nahret und ich bin fett. Ich weiss, was Coming Outs betrifft, ist das eher auf der bescheidenen Seite, denn ich erzähle euch ja nichts Neues. Zumindest nicht denen, die mich schon mal live gesehen haben. Jedoch handelt es sich hier tatsächlich um eine Art Durchbruch, dieses Statement. Zum ersten Mal gehört habe ich es letztes Jahr, von der grandiosen Lindy West, die ihr Coming Out in ihr Buch packte, so wichtig war es. Worum es geht, ist ein Statement, dass in seiner Tragweite von schlanken Menschen nicht verstanden werden kann:

Ich bin fett, und das ändert sich nicht.

Fette Menschen sind dazu angehalten, sich angemessen für ihren Körper zu schämen. Ein/e gute/r „Fattie“ isst in der Öffentlichkeit nicht, oder höchstens Gemüse, um anzuzeigen, dass er/sie sich bewusst ist, dass alles, was gut schmeckt, auf dem Altar der Selbstkasteiung geopfert werden muss. Im Sommer ein Glacé, wie alle anderen, hier, mitten auf der Strasse? Nur, wenn man bereit ist, sich den strafenden Blicken der optisch Fitteren auszusetzen.

Insbesondere als fette Frau hat man in seiner Daseinsberechtigung versagt. Frauen sind primär dazu gedacht, attraktiv zu sein, um am Arm eines Mannes dessen Status zu steigern. In diesem Zusammenhang sind wir nichts weniger als eine Blamage für jeden Mann, der sich mit uns auf die Strasse traut. Schliesslich muss sich dann jeder andere Mann fragen, warum der hier nichts Besseres abgekriegt hat. Nevermind Persönlichkeit und so’n Scheiss: Frauen werden gesehen, nicht gehört. Und fette Frauen will man nicht sehen. Schon gar nicht im Bikini.

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